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Straßenbahn, Fahrradtransport und Feuerwehrübungen

Wagen 1931 und 1967 der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB)

 

Viele 1300er-Wagen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) konnten nach ihrem Ausscheiden aus dem regulären Personenverkehr noch für interne Zwecke der Straßenbahn weiterverwendet werden. Meist waren sie noch für den Gleisbau nützlich, den Personaltransport, den Rangierbetrieb oder als Gerätewagen. Zwei dieser Fahrzeuge, nämlich 1331 und 1367, kamen zu einer bemerkenswerten „Zweitverwertung“: zuerst als Fahrradtransportzug und dann als Feuerwehr-Übungsobjekt.

Das Fahrrad-Angebot

Die 1980er Jahre können in der Bundesrepublik wohl als das Jahrzehnt der sich etablierenden Umweltschutz-Bewegung gelten. Unter diesem Aspekt wurde vielfach das Radfahren propagiert und auch gefördert. In dem Umfeld kündigten die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) im Jahr 1981 als „Versuch“ einen besonderen Service an: die Vermietung von Fahrrädern an Erholungssuchende. Start sollte am 17. Mai 1981 sein, am bundesweit ausgerufenen „Tag des Radfahrers“.

An der im rechtsrheinischen Köln gelegenen Endhaltestelle Königsforst der damaligen Straßenbahn-Linie 9 konnten Interessenten Fahrräder „leihen“ (so die überwiegende Ausdrucksweise von KVB und Presse; korrekt wäre jedoch stets: „mieten“).

Betrachten wir das Angebot, wie es zu Beginn der ersten Saison am 17. Mai 1981 bestand: Der Kölner Hersteller „Gold-Rad“ hatte 30 Fahrräder zur Verfügung gestellt, davon 22 Stück für Erwachsene (Bauart „Damenrad“), der Rest war für Kinder geeignet. Für die Erwachsenenräder wurden zudem Kindersitze („Körbchen“) bereitgehalten. Die Mietgebühr betrug je Rad bis zu zwei Stunden 2 Mark (entspricht rund einem Euro), bis zu vier Stunden 4 DM, bis zu maximal acht Stunden 6 Mark – dies waren absolut attraktive Preise. Um ein Fahrrad mieten zu können, musste ein Personalausweis vorgelegt werden, das war es aber auch schon an Formalitäten. Von 10 Uhr an war der Verleih geöffnet, um 18 Uhr mussten alle Räder wieder zurückgegeben sein.

 

SaisonBemerkungen
17.05.1981-04.10.198130 Fahrräder (im August 1981 schon 34, am Saison-Ende 35 Stück);
Werbung auf dem Achtachser 3766 weist auf den Verleih hin
01.05.1982-40 Fahrräder (Bestands-Erhöhung, um Wartezeiten möglichst zu verhindern)
01.05.1983-25.09.1983 
01.05.1984-30.09.1984am 31.05.1984 kein Verleih wegen einer Wanderveranstaltung im Königsforst
18.05.1986-14.09.198642 Fahrräder; mit Saison-Abschluss: Ende des Angebots

 

Das Ende

Als KVB-Chef Dieter Bollhöfer im Mai 1981 das neue Angebot vorstellte, kündigte er weitere Fahrradverleihe im KVB-Netz an, falls der Versuch im Königsforst erfolgreich wäre. Der „Reiz des Neuen“ führte dazu, dass am ersten Tag bereits um 11 Uhr nahezu alle Fahrräder vergeben waren; dann musste auf die Rückkehr anderer Freizeitradler gewartet werden. In der ersten Saison stand um 10 Uhr oft schon eine lange Schlange von Interessenten an der Endschleife. Anfang August waren bereits rund 1200 Vermietungen zu verzeichnen, im gesamten Jahr 1981 dann etwa 2000 davon. Als Problem wurde genannt, dass es keine Broschüre über mögliche Routen gab, so dass Radler vielfach ziellos durch den Königsforst fuhren, attraktive Orte dort verpassten und schließlich verspätet zur Wendeschleife zurückkehrten.

Zunächst war also eine gute Resonanz auf das Angebot zu verzeichnen, doch bereits in der Saison 1982 waren die Verleih-Zahlen rückläufig. Dies dürfte wohl auch darauf zurückzuführen gewesen sein, dass die KVB in den Sommerferien des Jahres versuchsweise erstmals die Fahrradbeförderung in ihren Straßenbahnwagen gestatteten. Jedenfalls wurde der Fahrradverleih ein Verlustgeschäft für die KVB. So brachte während der Saison des Jahrs 1986 jedes der 42 Fahrräder rund 87 Mark Miete ein. Dem standen jedoch Betriebskosten von ca. 430 Mark je Rad entgegen. Es waren also durch die KVB rund 14 500 Mark (enspricht etwa 7414 Euro) zuzuschießen. 1986 stand daher fest, dass dies die letzte Saison sein würde. Anfang Februar 1987 wurden die Fahrräder auf dem Betriebshof Sülz an KVB-Mitarbeiter verkauft.

Der Fahrrad-Transportzug

Als Depot für die Fahrräder sowie für ihren Transport vom linksrheinischen Betriebshof Köln-Sülz zum Königsforst und zurück baute die KVB die vierachsigen Straßenbahn-Großraumtriebwagen 1331 und 1367 entsprechend um, indem sie ihrer Bestuhlung beraubt und mit Fahrradständern ausgerüstet wurden; eine neue Seitenwerbung wies auf den Sponsor des Angebots hin. Seither trugen sie ihre Arbeitswagen-Betriebsnummern 1931 und 1967.

Die Fahrzeuge gehörten zur Serie 1300, die 1955/1956 in 80 Exemplaren von Westwaggon an die KVB geliefert wurden. Zunächst als 300 bis 379 bezeichnet, erhielten die Wagen bald die Betriebsnummern 1301 bis 1380. In der Regel liefen sie als Zwei-Wagen-Züge; weil es sich um Triebwagen handelte, durften sie auch U-Bahn-Strecken befahren (dort herrscht Beiwagen-Verbot). Die letzten Exemplare der Serie wurden bis zum 29.06.1984 im regulären Personenverkehr eingesetzt. Einige standen auch danach noch als Reserve abgestellt, wurden aber schließlich ohne weitere Einsätze ausgemustert. Etliche 1300er überlebten als Dienstfahrzeuge, einige auch in Museen.

Das Übungsobjekt für die Feuerwehr

Nachdem der Fahrrad-Verleih mit Ablauf der Saison 1986 geendet hatte, übernahm das Institut der Feuerwehr NRW (IdF NRW) in Münster/Westfalen beide Fahrzeuge des Fahrradtransport-Zugs. Nach der Überstellung von Köln nach Münster im Frühjahr 1987 dienten sie der Ausbildung von Feuerwehrleuten für den Bereich „Unfälle mit Straßenbahnen“. Dafür ist dort eine eigens erstellte Gleisanlage vorhanden; die zugehörige Fahrleitung ist allerdings ohne Stromversorgung. In der 34. Kalenderwoche 2000 (diese umfasste den Zeitraum vom 21.08. bis zum 27.08.2000) wurden die beiden Kölner Wagen an Ort und Stelle verschrottet.

Ersatz dafür kam in Gestalt des achtachsigen Stadtbahnwagens 3101 (Hersteller DUEWAG, Baujahr 1975, Typ GT8SU) der Rheinischen Bahngesellschaft (Rheinbahn), der am 27.11.2000 auf dem Außengelände des IdF NRW eintraf.

Mit einer Nebenbemerkung sei darauf hingewiesen, dass Straßenbahnwagen als Übungsobjekte wohl kein Einzelfall in Münster sind: Stadtbahnwagen 7654 der Stadtwerke Bonn (SWB) wurde am 25.03.2002 für Feuerlöschübungen zur Feuerwehr Bonn gebracht.

Die KVB-Wagen 1931 und 1967 im Überblick

In Tabellenform folgen hier noch Angaben zur Geschichte der beiden Fahrzeuge, vor allem zur Entwicklung seit den 1980er Jahren. Dabei werden folgende Abkürzungen verwendet:

  • Btf = Betriebshof
  • HU = Hauptuntersuchung
  • KVB = Kölner Verkehrs-Betriebe
  • WW = Westwaggon

 

Wagen 1931
1956von WW neu geliefert an KVB (Wagen 335)
1957Umzeichnung => 1331
1977abgestellt
04.01.1979wieder in Betrieb
31.03.1979abgestellt (Ablauf der Versicherung)
02.08.1980Umstationierung von Btf Ost nach Btf Sülz
11.09.1980HU mit Überlack
1981Umbau für Fahrrad-Transport;
Umzeichnung => 1931
1986abgestellt
1987ausgemustert
Frühjahr 1987Institut der Feuerwehr NRW, Münster/Westf.
08.2000verschrottet

 

Wagen 1967
1956von WW neu geliefert an KVB (Wagen 366)
1957Umzeichnung => 1367
1978umstationiert von Sülz nach Ost
02.08.1980Umstationierung von Btf Ost nach Btf Sülz
03.09.1980HU mit Überlack
1981Umbau für Fahrrad-Transport;
Umzeichnung => 1967
1986abgestellt
1987ausgemustert
Frühjahr 1987Institut der Feuerwehr NRW, Münster/Westf.
08.2000verschrottet

 

 

Fotos: Köln (KVB) und Münster (IdF NRW)

 

Fahrrad-Transportwagen 1967 der KVB
 

Gemütlich mit freundlichen, erholungslustigen Menschen sowie mit allerlei Stühlchen geht es am 15.06.1986 an der Endstelle Königsforst zu, wo Fahrradtransportwagen 1967 und 1931 auf dem Innengleis der Wendeschleife stehen. (Foto: Joachim Biemann)

 

Fahrrad-Transportwagen 1931 der KVB
 

Rückwärtig gesehen schien es sich bei den 1300ern fast um eine andere Baureihe zu handeln. Vor allem entstand dieser Eindruck durch den mittigen Rückfahrscheinwerfer. Wagen 1931, gekuppelt mit 1967, wieder an der Endstelle Königsforst am 15.06.1986. (Foto: Joachim Biemann)

 

Fahrrad-Transportwagen 1967 der KVB (Innenansicht)
 

Simple Glühlampen an der Verkleidung des Innendachs waren bei den 1300ern schon in den 1970er Jahren ein reichlich anachronistisches, aber auch liebenswertes Ausstattungsmerkmal. Die Wagen 1967 und 1931 sind ihrer Bestuhlung beraubt, um Fahrradständern Platz zu machen. Hier der Blick im Wagen 1967 in Richtung Fahrerkabine, 15.06.1986. (Foto: Joachim Biemann)

 

Wagen 1967 der KVB in Muenster
 

Vom Rost schon etwas angenagt: Dass die Wagen 1967 (hier vorne zu sehen) und 1931 unter freiem Himmel aufgestellt sind, fordert mit der Zeit einigen Tribut. Auf dem Außengelände des Instituts der Feuerwehr NRW in Münster zeigen sich auch Eisenbahn-Güterwagen, die ebenso wie die Tram als Übungsobjekte fungieren. (Foto: IdF NRW)

 

Wagen 1931 der KVB in Muenster
 

Fast wie eine Filmkulisse wirkt diese Szenerie auf der „Hauptstraße“ im Außengelände des Instituts der Feuerwehr NRW. Aber selbstverständlich dienen sowohl die Haus-Attrappe als auch die Straßenbahn wichtigen Zwecken, nämlich der Ausbildung von Feuerwehrleuten. Wir sehen die Rückseite des ehemaligen KVB-Wagens 1931, gekuppelt mit Wagen 1967. (Foto: IdF NRW)

 

Literatur

  • Reuther, Axel: Wagenpark der Kölner Straßen- und Vorortbahnen 1901-1990. Geschichte, Technik, Statistik. Herausg.: Straßenbahn- und U-Bahn-Freunde Köln e. V. – Berlin (Arbeitsgemeinschaft Blickpunkt Straßenbahn e. V.) 1991. Seiten 257 f, 456.
  • Reuther, Axel; Höltge, Dieter: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Band 7: Köln, Düren, Aachen. Freiburg (EK-Verlag) 2001. Seiten 267 f.
  • Tageszeitungen: Kölnische Rundschau, Kölner Stadt-Anzeiger
  • Umschau [Vereinszeitschrift der Straßenbahn- und U-Bahn-Freunde Köln e. V.]
  • Intern [Unternehmens-Zeitschrift der KVB]

 

Autor dieses Beitrags: Joachim Biemann.
Für Informationen und die überlassenen Fotos danke ich dem
Institut der Feuerwehr NRW (IdF NRW).
Online: 14.10.2003
html-Status: 05.06.2010

 

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