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Kummer in Kalk

Die Akku-Lokomotiven
der Kölner Akkumulatoren-Werke Gottfried Hagen,
Köln-Kalk

 

 

Das Werk

1827Die Firma Hagen wird von Franz-Josef Hagen in der Kölner Altstadt gegründet und beginnt mit Metallhandel. 1839: Gründung einer Fabrik für Bleirohre und Walzblei.
1841Die Fabrik für Bleirohre und Walzblei wird in einen Neubau in der Bayengasse verlegt.
1884Für die Elektrizitäts-Gesellschaft Khotinsky in Rotterdam wird die Herstellung von Akkumulatoren übernommen.
1890Die Produktion wird nach Humboldt-Gremberg verlegt. Die Akkumulatorenfabrik Hagen siedelt sich auf dem Gelände zwischen Rolshover Straße und Lüderichstraße an. Gottfried Hagen führt die Produktion und den Vertrieb von Akkumulatoren in eigener Regie fort.
um 1900Es wird ein eigenes Gummiwerk errichtet. Rund 400 Arbeiter und 50 „Beamte“ (Angestelle) sind bei Hagen beschäftigt.
„Einen besonderen Ruf haben sich die leichten transportabeln [!] Akkumulatoren zum Betriebe von elektrischen Selbstfahrern, Schiffen und Bahnen erworben. Zu Versuchszwecken im großen steht eine 5 km lange Straßenbahnlinie in Bremerhaven im Betriebe, deren Maschineneinrichtungen und Wagen Eigentum der Firma sind und gegen Entschädigung von der dortigen Straßenbahn benutzt werden.“ [ZsVDI, 15.09.1900, S. 1264]
1904Das Hagen-Werk gründet eine Abteilung „Automobilwerke“, die Elektroautos baut. Weil sie nur Verluste einbringt, wird sie 1909 wieder aufgelöst.
1922Das Unternehmen wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die jedoch weitgehend in Familienbesitz bleibt.
1945Nachdem durch umfangreiche Kriegszerstörungen der Betrieb zum Erliegen kam, können im April die ersten Arbeiten wieder aufgenommen werden.
1983Die Firma Gottfried Hagen geht in Konkurs.
1985Mitte des Jahres pachtet ein Kurt Meyer das Fabrikgelände vom Notvorstand der Hagen AG.
09.1987Zwangsverwalter Robert Werner bekommt das Fabrikgelände nach eineinhalb Jahren Rechtsstreit gegen den Pächter Kurt Meyer vom Landgericht zugesprochen. Zu diesem Zeitpunkt nutzen etwa 150 Mieter das Gelände. Geschäftsräume, Künstlerateliers und eine Moschee sind in den Fabrikhallen untergebracht.
12.1987Die LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW erwirbt treuhänderisch für den Grundstücksfonds NRW die ehemalige Batteriefabrik im Wege der Zwangsversteigerung. Übernahme von 46 Gebäuden und 53 Mietverträgen. Kleinere Gebäude werden wegen bestehender Einsturzgefahr schon im Jahre 1988 abgebrochen.
07.1990Beauftragung der LEG durch das Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr (heute: Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport) mit der Erstellung eines Nutzungs- und Verwertungskonzeptes
11.1990Sanierungsphase I: Abbrucharbeiten und Entsorgung der belasteten Materialien
Frühjahr 1991   Fertigstellung des Nutzungskonzeptes für Technologie- und Gewerbepark, Künstlerhaus sowie Arbeitsprojekt Mülheim des Internationalen Bundes für Sozialarbeit (IB)
12.1991Beginn der Sanierungsphase II; Abbruch von 15 weiteren Gebäuden bis auf die erhaltenswerten Bauten (Künstlerateliers und denkmalgeschützte Halle mit zwei angegliederten Bauteilen an der Rolshover Straße sowie der Montagehalle an der Lüderichstraße)
1993Ende des Jahres sind nach Abschluß der Sanierungsphase II die Montagehalle an der Lüderichstraße und die Gebäude an der Rolshover Straße die einzigen verbleibenden Bauten.
1994Mitte des Jahres Beginn der Erschließungsplanung; Rechtskraft des Bebauungsplans
10.1995Beginn der Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten. Bauherr ist das Amt für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der Stadt Köln. Mit der Projektsteuerung wird die LEG Landesentwicklungsgesellschaft NRW GmbH, Geschäftsbereich Köln, beauftragt. Planung und Bauleitung übernimmt Ditges Partner, Architekten BDA, Köln.
12.1995Beginn der Erschließungsarbeiten, 1. Bauabschnitt durch die LEG im Treuhandauftrag der Stadt Köln
06.1997Erster Spatenstich und Baubeginn für das Rechtsrheinische TechnologieZentrum
03.1999Anfang des Monats nimmt nach rund anderthalbjähriger Bauzeit das Rechtsrheinische Technologie- und Gründerzentrum (RTZ) auf dem Gelände der ehemaligen Firma Gottfried Hagen seinen Betrieb auf

 

Die Werkloks

Die Firma Hagen besaß, soweit bekannt, zwei Akkumulatoren-Loks. Die erste davon war bereits 1900 vorhanden, sie leistete „20 bis 30 PS“. Eine weitere wurde 1910 von Kummer & Co. (Leipzig) geliefert. An deren Führerhaus waren 1976 folgende Daten festgehalten:

 

Eigentümer-BezeichnungHagen AG
Betriebsnummer1
Zeitpunkt der letzten Untersuchung am Fahrgestell    25.5.75
Art der durchgehenden BremseDruckluft u. Handhebelbremse
Name des HerstellersL. Kummer & Co. Leipzig
Baujahr1910
größte zulässige Geschwindigkeit10 km./Std.

 

Die Lok war auf der Deutschen Bundesbahn nicht zugelassen. Ihre Ladestation befand sich in der torartigen Werks-Einfahrt bei der Lüderichstraße. Ende der 1970er- oder Anfang der 1980er-Jahre erhielt die Lok winkelförmige Warnstreifen an den Ecken ihres Aufbaus. Nachdem die Hagen AG 1983 in Konkurs gegangen war, wurde die Akku-Lok an das „Schwäbische Bauern- und Technikmuseum“ in Eschbach-Seifertshofen (nordöstlich von Schwäbisch Gmünd) verkauft.

Übrigens waren auf dem Hagen-Gelände auch einige Schmalspurgleise zu finden. Vermutlich handelte es sich um eine interne Transportbahn. Ob auf ihr Lokomotiv-Betrieb stattfand, ist unbekannt.

 

Akkulok der Firma Hagen, Koeln-Kalk, Sommer 1904

Die erste Akkulok der Fabrik Gottfried Hagen dürfte hier zu sehen sein: Ausschnitt aus einer Vogelschau-Ansicht des Werks, Sommer 1904. Das Gebäude mit dem Stufengiebel (links vorne) und die beiden Schornsteine sind auch auf dem folgenden Foto auszumachen. (Grafik: Sammlung Joachim Biemann)

 

Akkulok der Firma Hagen, Koeln-Kalk

Stolz präsentieren sich Eisenbahner und ihr Chef mit der Akkulok auf dem Hagen-Werksgelände. Jemand hat die Beschriftung des Güterwagens unkenntlich gemacht. Ganz rechts im Hintergrund ist ein Gebäude-Giebel der Maschinenbau-Anstalt Humboldt zu sehen. (Foto: Sammlung Joachim Biemann)

 

Akkulok Nr. 1 der Firma Hagen, Koeln-Kalk, 1976 am Werktor

Vor der Werks-Einfahrt an der Lüderichstraße steht am 22.04.1976 die von Kummer in Leipzig gebaute Lok 1. Im Tor links befindet sich die Ladestation. Welcher Luxus: Die Lok besitzt Schwenkfenster und Rückspiegel. Hinten rechts der Personenbahnhof Köln-Kalk. (Foto: Joachim Biemann)

 

Akkulok Nr. 1 der Firma Hagen, Koeln-Kalk, 1976 im Uebergabebahnhof

Urtümlich wirkt das Spitzenlicht der Akkulok 1, die hier jenseits der Lüderichstraße auf den Übergabe-Gleisen des Bahnhofs Köln-Kalk Süd rangiert. Dorthin kamen 1974/75 noch Gremberger Dampfloks der Baureihe 50. (Foto: 22.04.1976, Joachim Biemann)

 

Literatur

  • Kenning, Ludger: Bahn-Nostalgie Deutschland 1999. Nordhorn (Verlag Kenning) 1999. Seite 405.
  • Kölner Stadt-Anzeiger, diverse Ausgaben
  • Klein-Meynen, Dieter; Meynen, Henriette; Kierdorf; Alexander: Kölner Wirtschaftsarchitektur. Köln 1996. Seite 152.
  • Meynen, Henriette: Köln: Kalk und Humboldt-Gremberg. Reihe „Stadtspuren – Denkmäler in Köln“, Band 7. Köln (J. P. Bachem Verlag) 1990. Seiten 640 f.
  • Neue Energie für Köln-Kalk. Herausgeber: Stadt Köln, 1998 (Broschüre)
  • Seidel, Jörg: Werkbahnen & Denkmallokomotiven im Bereich Köln/Bonn. Herausg.: Arbeitsgemeinschaft Drehscheibe. Köln (Drehscheibe) o. J. [1986]. (= Sonderheft 3 der Arbeitsgemeinschaft „Drehscheibe“). Seite 58.
  • Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure [ZsVDI], Band XXXXIV, Nr. 37, 15. September 1900, Seite 1264.
     
  • Der oben gezeigte Bild-Ausschnitt („Vogelschau“) entstammt der Grafik „Gottfried Hagen, Kalk bei Köln. Sommer 1904“ von Eug. Hoesch & Orthaus, Düren. Format: 66 x 36 cm. Sammlung Joachim Biemann. (Der Stadtkonservator Köln fertigte in den 1980er-Jahren eine Reproduktion davon an, daher zwischenzeitlich in einigen Publikationen abgedruckt. Bei Meynen 1990 mit falschem Datum angegeben.)

 

Autor dieses Beitrags: Joachim Biemann
Autor des Kapitels zur Werksgeschichte: Helmut Neßeler (Redaktion und einzelne zusätzliche Angaben: Joachim Biemann)
Online: 02.08.2000
Status: 25.02.2008
html-Status: 05.06.2010

 

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