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Gasturbinen-Triebwagen
der DB-Baureihe 602 in Köln

 

Gasturbinen-Triebwagen 602 002 der Bundesbahn, Köln-Deutz

2200 PS ziehen hier in Gestalt des 602 002 den IC 147 „Dompfeil“ am 11.08.1976 durch den Bahnhof Köln-Deutz. Der rückwärtige Triebkopf 601 019 brachte nochmal zusätzliche 1100 PS auf die Schienen. (Foto: Joachim Biemann)

 

Die Fahrzeuge

Für den internationalen Schnellverkehr mit Trans-Europ-Express-Zügen (TEE) beschaffte die Deutsche Bundesbahn 19 siebenteilige Diesel-Triebzüge. Sie bestanden aus diesen Fahrzeugen:

  • VT 11 5001 bis 5019 (Maschinenwagen), Baujahr 1957, Hersteller MAN, 1968 Umzeichnung in 601 001 bis 019
  • VM 11 5101 bis 5123 (Abteilwagen), Baujahre 1957 bis 1962, Hersteller LHB, 1968 Umzeichnung in 901 101 bis 123
  • VM 11 5201 bis 5208 (Großraumwagen), Baujahr 1957, Hersteller LHB, 1968 Umzeichnung in 901 201 bis 208
  • VM 11 5301 bis 5308 (Speisewagen), Baujahr 1957, Hersteller Wegmann, 1968 Umzeichnung in 901 301 bis 308
  • VM 11 5401 bis 5409 (Küchenwagen), Baujahr 1957, Hersteller Wegmann, 1968 Umzeichnung in 901 401 bis 409

Um statt mit den regulären fünf Mittelwagen auch zehnteilige Einheiten fahren zu können, die Höchstgeschwindigkeit der Züge von 140 auf 160 km/h zu erhöhen und sie im Intercity-Dienst (damals nur Fahrzeuge der ersten Klasse) einzusetzen, wurde bei vier der Maschinenwagen der Fahr-Dieselmotor durch eine Gasturbinen-Antriebsanlage ersetzt. Äußerlich waren sie an den vergrößerten Luft-Ansaugöffnungen und am längeren Abgaskamin zu erkennen – und natürlich an ihrem höchst ungewöhnlichen Maschinengeräusch. Hier die umgebauten Fahrzeuge im Überblick:

 

erste Nr.Nr. 1968Umbau-Nr.UmbauAnlieferungAbnahmez+
VT 11 5010601 010-2602 001-01970/7222.02.197201.197422.02.197825.07.1979
VT 11 5003601 003-7602 002-81970/7209.03.197201.197408.03.197825.09.1979
VT 11 5012601 012-8602 003-61970/7208.03.197201.197401.06.197927.07.1979
VT 11 5007601 007-8602 004-41970/7206.03.197201.197405.09.197825.07.1979

 

Langwierige Versuchs- und Schulungsfahrten sowie vielerlei technische Probleme waren vorausgegangen, als die ersten, zunächst beim Bw Frankfurt (M) 1, ab 1. Oktober 1973 in Hamburg-Altona beheimateten 602er-Triebzüge während des Sommerfahrplans 1974 im IC-Verkehr zwischen Hamburg und Ludwigshafen zum Einsatz kamen. Auch hier mußte man häufig technische Schwierigkeiten überwinden.

 

Die Kölner Zeit

Nach Köln kamen die 602 erstmals im Sommer 1975 mit zwei Intercity-Zügen, die meist in der Kombination 602 ... 602 gefahren wurden:

 

Sommerfahrplan 1975 (01.06.1975 bis 27.09.1975)
  • IC 131 „Prinzipal“: Köln Hbf (ab 5.38) – Düsseldorf – Dortmund – Münster – Bremen – Hamburg-Altona (an 10.01); Verkehrstage: (1) bis (5)
  • IC 136 „Prinzipal“: Hamburg-Altona (ab 19.39) – Bremen – Münster – Dortmund – Düsseldorf – Köln Hbf (an 0.02); Verkehrstage: täglich außer (6)

 

IC 136 lief übrigens sonntags vom 29. Juni bis 31. August von Westerland (ab 17.15) über Altona nach Köln. Im Winterfahrplan 1975/76 (28.09.1975 bis 29.05.1976) ergaben sich keine grundsätzlichen Änderungen. IC 131 und 136 verkehrte (1) bis (5), nicht zwischen 20. Dezember und 4. Januar sowie vom 17. bis 19. April (IC 136 nicht 16. bis 18. April).

Im Sommer 1976 kamen zwei weitere von 602 geführte IC-Zugpaare hinzu, so dass man die Wagen nun sechsmal am Tag in Köln sehen konnte. Von nun an war die Reihung 602 ... 601 Standard.

 

Sommerfahrplan 1976 (30.05.1976 bis 25.09.1976)
  • IC 131 „Prinzipal“: Köln Hbf (ab 5.38) – Düsseldorf – Dortmund – Münster – Bremen – Hamburg-Altona (an 10.06); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 7.VI.
  • IC 136 „Prinzipal“: Hamburg-Altona (ab 19.37) – Bremen – Münster – Dortmund – Düsseldorf – Köln Hbf (an 0.02); Verkehrstage: täglich außer (6), nicht 6.VI.
  • IC 130 „Toller Bomberg“: Hamburg-Altona (ab 6.22) – Bremen – Münster – Hagen – Wuppertal – Köln Hbf (an 10.38); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 7.VI.
  • IC 147 „Dompfeil“: Köln Hbf (ab 11.03) – Wuppertal – Hagen – Dortmund – Hannover (an 13.51); Verkehrstage: (1) bis (6), nicht 7.VI.
  • IC 140 „Dompfeil“: Hannover Hbf (ab 6.48) – Dortmund – Hagen – Wuppertal – Köln Hbf (an 9.33) – Bonn Hbf (an 9.53); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 7.VI.
  • IC 137 „Toller Bomberg“: Bonn Hbf (ab 18.51) – Köln Hbf (ab 19.22) – Wuppertal – Hagen – Münster – Bremen – Hamburg-Altona (an 23.41); Verkehrstage: täglich außer (6), nicht 6.VI.

 

IC 136 lief sonntags vom 13. Juni bis 5. September sowie am 7. Juni von Westerland (ab 17.14) über Altona nach Köln. Der Winter 1976/77 brachte die Verlängerung des Laufs der IC 137 und 140 von/bis Frankfurt (M).

 

Winterfahrplan 1976/77 (26.09.1976 bis 21.05.1977)
  • IC 131 „Prinzipal“: Köln Hbf (ab 5.38) – Düsseldorf – Dortmund – Münster – Bremen – Hamburg-Altona (an 10.06); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 24.XII. bis 2.I. und 8. bis 11.IV.
  • IC 136 „Prinzipal“: Hamburg-Altona (ab 19.37) – Bremen – Münster – Dortmund – Düsseldorf – Köln Hbf (an 0.02); Verkehrstage: täglich außer (6), 24.XII. bis 1.I. und 8. bis 10.IV.
  • IC 130 „Toller Bomberg“: Hamburg-Altona (ab 6.22) – Bremen – Münster – Hagen – Wuppertal – Köln Hbf (an 10.38); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 24.XII. bis 2.I. und 8. bis 11.VI.
  • IC 147 „Dompfeil“: Köln Hbf (ab 11.03) – Wuppertal – Hagen – Dortmund – Hannover (an 13.52); Verkehrstage: (1) bis (6), nicht 24.XII. bis 2.I., 9. bis 11.IV.
  • IC 140 „Dompfeil“: Hannover Hbf (ab 6.48) – Dortmund – Hagen – Wuppertal – Köln Hbf (ab 9.35) – Bonn Hbf – Mainz – Wiesbaden – Frankfurt (M) Hbf (an 11.55); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 24.XII. bis 2.I., 8. bis 11.IV.
  • IC 137 „Toller Bomberg“: Frankfurt (M) Hbf (ab 16.44) – Wiesbaden – Mainz – Bonn Hbf – Köln Hbf (ab 19.22) – Wuppertal – Hagen – Münster – Bremen – Hamburg-Altona (an 23.41); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 24.XII. bis 2.I., 8. bis 11.IV.

 

Im folgenden Sommerfahrplan entfielen der „Tolle Bomberg“ und der „Dompfeil“, während IC 145/146 neue 602er-Leistungen waren. Auch hier kam IC 136 sonntags vom 19. Juni bis 11. September sowie am 30. Mai von Westerland (ab 17.16) her.

 

Sommerfahrplan 1977 (22.05.1977 bis 24.09.1977)
  • IC 131 „Prinzipal“: Köln Hbf (ab 5.39) – Düsseldorf – Dortmund – Münster – Bremen – Hamburg-Altona (an 10.06); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 30.V. und 17.VI.
  • IC 136 „Prinzipal“: Hamburg-Altona (ab 19.37) – Bremen – Münster – Dortmund – Düsseldorf – Köln Hbf (an 23.58); Verkehrstage: täglich außer (6), nicht 29.V. und 17.VI.
  • IC 145 „Porta Westfalica“: Köln Hbf (ab 9.19) – Wuppertal – Hagen – Dortmund – Hannover (an12.09); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 30.V., 17.VI.
  • IC 146 „Wilhelm Busch“: Hannover Hbf (ab 16.08) – Dortmund – Hagen – Wuppertal – Köln Hbf (an 18.59); Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 30.V., 17.VI.

 

Der Winterfahrplan 1977/78 (25.09.1977 bis 27.05.1978) begann zunächst ohne Änderungen:

  • IC 131: Fahrzeiten unverändert, Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 24.XII. bis 1.I., 24. bis 27.III. und 15.V.
  • IC 136: Fahrzeiten unverändert, Verkehrstage: täglich außer (6), nicht 24. bis 31.XII. und 14.V.; zusätzlich Westerland (ab 17.16) – Altona: am 15.V.
  • IC 145 und IC 146: : Fahrzeiten unverändert, Verkehrstage: (1) bis (5), nicht 24.XII. bis 1.I., 24. bis 27.III., 15.V.

Weil im Februar und März die Untersuchungsfristen von 602 001 und 602 002 abgelaufen waren, wurden IC 145 und 146 lokbespannt gefahren. Bis Fahrplan-Ende waren IC 131/136 daher die einzigen planmäßigen 602er-Leistungen. Danach verkehrten die beiden verbliebenen betriebsfähigen 602er im Sonderverkehr, bis sie 1978/79 abgestellt und 1979 ausgemustert wurden.

Bis auf ein Exemplar wurden die Gasturbinen-Triebköpfe verschrottet. Lediglich 602 003 arbeitete man für das Nürnberger Verkehrsmuseum als nicht betriebsfähiges Exponat auf.

 

 

Fotos des 602 in Köln

 

Gasturbinen-Triebwagen 602 002 der Bundesbahn, Köln Hbf

Heuler: Lautstark verläßt Gasturbinen-Triebkopf 602 002 am 19.07.1976 als IC 147 „Dompfeil“ den Kölner Hauptbahnhof. Der hier nicht sichtbare Diesel-Kopf 601 017 „deut“ (kölsch für „schiebt“) am Zugschluß. (Foto: Joachim Biemann)

 

Gasturbinen-Triebwagen 601 005 der Bundesbahn, Köln-Deutz

Hin: IC 130 „Toller Bomberg“ fährt am 16.07.1976 aus dem Bahnhof Köln-Deutz aus, um über die Hohenzollernbrücke den Kölner Hauptbahnhof zu erreichen; vorne ist der Diesel-Kopf 601 005 zu sehen, hinten Gasturbinen-Maschinenwagen 602 004. Nachdem der Zug im Hbf sein Ziel erreicht hat, geht die Reise zurück als IC 147. (Foto: Joachim Biemann)

 

Gasturbinen-Triebwagen 602 004 der Bundesbahn, Hohenzollernbrücke

Und zurück: Nach kurzer Wende in Köln ist nun 602 004 führender Triebkopf des IC 147 „Dompfeil“, der hier ebenfalls am 16.07.1976 über die Hohenzollernbrücke rauscht. (Foto: Joachim Biemann)

 

 

    Der Sound des 602

Das Geräusch der Baureihe 602 ähnelte tatsächlich eher einem Düsenflugzeug als einem Eisenbahn-Fahrzeug. Kennen Sie das noch, oder möchten Sie das kennenlernen?

Den 602 können Sie bei „Bahnen im Rheinland“ hören – hier geht es zur MP3-Seite von BiR (Anklicken löst noch keinen Download aus, Sie kommen zuerst zu einer Erläuterungs-Seite).

 

Literatur

  • Rüdiger Block: Die TEE-Triebwagen der Deutschen Bundesbahn. Baureihe VT 11.5 (601/602) – Entwicklung, Einsatz, Ende. Freiburg (Eisenbahn-Kurier Verlag) 1988.
  • [Ludger Kenning, Norbert Tempel (Hg.):] DB-Triebwagen der 50er Jahre. Die Stromlinientriebwagen des deutschen Wirtschaftswunders. Münster (Arbeitsgruppe Lok Report) 1986. [Seiten 46 bis 65: Werner Schimmeyer, Bernhard Hoch: VT 11.5 – feudale und elegante Züge für den TEE-Verkehr. Seiten 66 bis 69: Joachim Seyferth: Der SECHSHUNDERTEINS. Zug mit zeitlosen Zügen.]

 

Autor dieses Beitrags: Joachim Biemann (Text und Fotos)
Online: 17.09.2000
Version vom 04.02.2008 (Artikel gestalterisch überarbeitet)
html-Status: 05.06.2010

 

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